Fachinformationen - Tropendermatosen


Infektiöse Hauterkrankungen bei Reisenden

Neben Durchfallerkrankungen und Atemwegsinfektionen gehören Hauterkrankungen zu den häufigsten Gesundheitsstörungen bei Reisenden. Hierbei handelt es sich zum Teil um Leiden, die weltweit vorkommen, teilweise aber auch um tropenspezifische Erkrankungen. Die häufigsten dermatologischen Probleme bei Reisenden sind jedoch nicht infektionsbedingt, sondern ergeben sich aus einer übermäßigen Sonnenexposition bzw. unzureichenden Sonnenschutzmaßnahmen.

Im Folgenden sind exemplarisch einige der Krankheitsbilder beschrieben, mit denen sich Fernreisende in der tropenmedizinischen Ambulanz vorstellen.

Infektiöse Zellulitis
Neben anderen Erkrankungen wie der Follikulitis und dem Erysipel ist die infektiöse, eitrige Zellulitis eine der am häufigsten beobachteten bakteriellen Hautinfektionen. Es handelt sich um eine gleichzeitige Entzündung aller drei Hautschichten (Epidermis, Dermis und subkutanes Fettgewebe). In einer Auswertung von insgesamt 165 Personen mit Hauterkrankung nach Tropenaufenthalt wurde bei 12.7% der Patienten eine infektiöse Zellulitis diagnostiziert; bei weiteren 8.5% fand sich eine Pyodermie (Ansart 2007). Verursacht wird die Zellulitis meist durch Erreger wie Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes. Auch zahlreiche andere Bakterien kommen in Frage; nach Tropenaufenthalten auch seltene Erreger wie Burkholderia pseudomallei (Erreger der Meloidose) und Chromobacterium violaceum. Symptome: Als Eintrittspforte dienen den Bakterien meist kleinere Hautverletzungen. Entwickelt sich eine infektiöse Zellulitis so findet sich ein schmerzhaftes, gerötetes, ödematös geschwollenes und überwärmtes Hautareal mit unscharfer Begrenzung. Fieber und positive Entzündungsparameter finden sich häufig. Die Behandlung erfolgt antibiotisch, zum Beispiel mit Amoxicillin/Clavulansäure, und sollte mindestens noch drei Tage nach Abklingen der Entzündungszeichen fortgeführt werden. Schutz vor Erkrankung: Frühzeitige Desinfektion selbst kleiner Hautwunden, zum Beispiel mit PVP-Jod-haltigen Präparaten.

Larva cutanea migrans
Die Larva migrans cutanea, auch Hautmaulwurf genannt, ist eine Infektion durch Fadenwurmlarven tropischer Regionen. Diese Larven können mit Hundekot ausgeschieden werden und finden sich an Badestränden oder in verunreinigten Sandkästen. Beim Barfußlaufen können die Erreger in die Haut eindringen. Da es sich bei dem Menschen um einen Fehlwirt handelt, kann sich die Wurmlarve im menschlichen Gewebe nicht vollständig entwickeln. Trotzdem findet bis zum Absterben des Erregers (nach etwa drei Wochen) eine Wanderung des Parasiten unter der Haut statt. Symptome: Der Patient bemerkt einen fadenförmig gewundenen Gang mit teilweise blasiger Abhebung oder Verkrustung und leidet unter starkem Juckreiz. Behandlung: Meist ist die Infektion durch das Auftragen einer Tiabendazol-Salbe gut behandelbar. Selten wird eine medikamentöse Therapie nötig.
Schutz vor Erkrankung: Strandschuhe tragen; möglichst wenig barfußlaufen.

Tungiasis (Sandfloh)
Der in Mittel- und Südamerika sowie in Afrika vorkommende Sandfloh bohrt sich aktiv in die Haut ein. Das Hinterteil mit Atemöffnung und Ausscheidungsorgan bleibt in der Nähe der Hautoberfläche. Symptome: Das Absterben des Tieres nach etwa anderthalb Wochen kann mit einer schmerzhaft eitrigen Entzündung einhergehen. Relativ typisch für einen Sandflohbefall ist eine hyperkeratotische (weißliche) Hautstelle mit einem zentral gelegenen schwarzen Punkt (Hinterteil des Flohs). Die Behandlung der Tungiasis besteht in der sorgfältigen Entfernung des Flohs (in der Frühphase des Befalls) oder ggf. in der großzügigen Exzision der gesamten Läsion. Schutz vor Erkrankung: Beim Liegen am Strand Badetücher als Unterlage verwenden. Unnötiges Barfußlaufen vermeiden.

Myiasis (Fliegenmadenerkrankung)
Zahlreiche Fliegenspezies können eine Fliegenmadenerkrankung hervorrufen. Grundsätzlich besteht stets bei schlechter medizinischer Versorgung und unzureichender persönlicher Hygiene die Möglichkeit einer Ablage von Fliegeneiern in Wunden. Vor allem in Afrika beheimatete Arten wie Cordylobia anthropophaga (Tumbu-Fliege) und Dermatobia hominis können im Larvenstadium aktiv die Haut des Menschen durchdringen. Symptome: Es finden sich häufig beulenartige Entzündungen und mitunter auch tunnelartige Gänge. Die Tumbu-Fliege legt ihre Eier nicht nur auf der Erde, sondern auch auf zum Trocknen aufgehängten Textilien ab. D. hominis belädt blutsaugende Insekten mit Ihren Eiern, im Zuge des Blutsaugevorgangs können die Erreger von der Mücke auf den Mensch überspringen. Die Behandlung besteht in dem Verschluss der offenen Hautläsion (Atemöffnung) mittels Vaseline; anschließend ist oft eine chirurgische Entfernung der Larven erforderlich. Schutz vor Erkrankung: Barfußgehen vermeiden und Wäsche nach dem Trocknen sorgfältig Bügeln.

Filariasis

Filarien sind in den Tropen und Subtropen weit verbreitete Rundwürmer, deren Larven durch verschiedene blutsaugende Insekten auf den Menschen übertragen werden können. Infektionen nach kurzzeitigen Aufenthalten in Endemiegebieten finden sich kaum, meist entstehen Krankheitszeichen erst nach vielen Jahren massiver Exposition mit den Erregern. Nach Langzeitaufenthalten in den Tropen wird die Filariasis jedoch nicht selten beobachtet. So wurde bei 5.4% Tropenrückkehrern, die an einer Hauterkrankung litten, eine Filariasis diagnostiziert (Ansart 2007). Symptome: Oberflächliche Hautschichten, subkutanes Gewebe, aber auch das Lymphgefäßsystem kann befallen werden. Die Diagnosestellung erfolgt histologisch. Die Behandlung der fortgeschrittenen Filariose ist aufwändig. Für eine Eradikation der Filarien kommt die Anwendung von Ivermectin oder Albendazol in Betracht. Schutz vor Erkrankung: Auch bei Langzeitaufenthalten in den Tropen konsequenten Insektenschutz betreiben.

Skabies (Krätze)

Die Krätzmilbe ist weltweit verbreitet, kann aber in den Tropen und/oder unter sehr widrigen hygienischen Bedingungen massiv gehäuft auftreten. Ansart und Kollegen diagnostizierten bei mehr als 10% der Tropenrückkehrer mit dermatologischen Symptomen eine Krätze. Die Milbe durchdringt die Haut des Menschen und bewegt sich in der Epidermis bis zu mehrere Millimeter am Tag fort. Auf der Haut werden Eier abgelegt, aus denen neue Krätzmilben entstehen, die ihrerseits wieder in die Haut des Patienten eindringen. Symptome: Es findet sich ein vielgestaltiges Erscheinungsbild mit Blässchenbildung, massivem Juckreiz, Schuppung der Haut sowie Superinfektion, bedingt durch das heftige Kratzen. Prädelektionsstellen sind die Interdigitalräume sowie die Achsel- und Leistenregion. Die Übertragung erfolgt durch engen körperlichen Kontakt, vor allem unter schlechten hygienischen Bedingungen in Gemeinschaftsunterkünften. Daher sollte sich auch die Behandlung auf gesamte Familien und Wohngemeinschaften erstrecken. Zur Behandlung eignet sich u.a. Benzylbenzoat. Schutz vor Erkrankung: unter schlechten hygienischen Bedingungen sollten enge Kontakte vermieden werden.

Pityriasis versicolor
Es handelt sich um eine in den Tropen sehr häufige Hautinfektion mit dem Hefepilz Malassezia furfur. Betroffen sind vor allem die talgdrüsenreichen Partien im Bereich von Rücken und Brust. Symptome: Es finden sich typischerweise hypopigmentierte Areale, die bis auf einen geringen Juckreiz wenig Beschwerden machen. Die Diagnose erfolgt mikroskopisch mittels eines durchsichtigen Klebebandes, welches mehrfach an die Haut gedrückt wurde. Zur Behandlung können antimykotische Externa, in schweren Fällen (zum Beispiel bei ausgedehntem Hautbefall bei Diabetikern) auch systemische Antimykotika (Ketokonazol, Itrakonazol) zur Anwendung kommen. Schutz vor Erkrankung: Alle Faktoren, die zu vermehrtem Schwitzen führen (zum Beispiel eng anliegende Textilien aus Kunstfaser) vermeiden.

Fazit
Durch sorgfältige Versorgung von Wunden (gilt auch im Fall von „Bagatellverletzungen") in Verbindung mit einem konsequenten Schutz vor Exposition (Insektenschutz, Tragen von Strandschuhen etc.) und Vermeidung schlechter hygienischer Rahmenbedingungen lässt sich das Risiko für Hautinfektionen deutlich senken. Besonders für Diabetiker, bei denen Hautinfektionen, einschließlich Pilzerkrankungen, in den Tropen besonders häufig beobachtet werden, ist Hauthygiene wichtig. Von Bedeutung ist hierbei auch das umsichtige Vermeiden von Verletzungen, das Trockenhalten der Füße und die sorgfältige Nagelpflege. Diabetiker sollten bei dermatologischen Symptomen frühzeitig einen Arzt aufsuchen.

Quellen:

Weitere Artikel:

MG, 15.10.2012



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