Reiseinformationen - Schneeflocken und Genetik


Schneeflocken und Genetik

Können zwei Schneeflocken einander genau gleichen? Niemand  weiß, ob es je einmal der Fall war. Aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. 

Das Eigenleben aller Schneeflocken beginnt gleich: zunächst bedarf es eines Kristallisationskeims. Kühlt Wasserdampf ab, so kondensiert er um mikroskopisch kleine Staubpartikel und bildet zunächst frei schwebende Flüssigkeitströpfchen also eine Wolke, ein Aerosol. Kühlt die Wolke weiter ab bilden sich vereinzelt winzige Eiskristalle. Kommen nun diese Eiskristalle in Kontakt mit frei schwebenden Wassertröpfchen, gefriert das Tröpfchen an den Kontaktpunkten. Wenn Eiskristalle und Wassertröpfchen unter bestimmten Druck- und Temperaturverhältnissen zusammentreffen entstehen Flocken. Die "rauhen" Kanten der Eiskristalle dienen als Kristalisationspunkte für weitere Wassertröpfchen. Die Ecken und Kanten des frühen Schneeflöckchens bieten weiteren Wassertröpfchen "Andockstellen". So gewinnt die Schneeflocke allmählich an Kontur. Es lässt sich nicht vorhersagen, an welchen Stellen der Oberfläche die Wassertröpfchen kristallisieren, daher die gewaltigen Manigfaltigkeit der Formen.

Eine Schneeflocke besteht aus etwa einer Trillionen (1 mit 18 Nullen) Wassermolekülen. Diese Wassermoleküle sind in Schneeflocken symmetrisch aber quasi nach dem Zufallsprinzip angeordnet. Die Zahl möglicher Anordnungen ist schier unermesslich. Zur Veranschaulichung das Beispiel "Bücherregal": Haben wir drei Bücher so gibt es nur sechs Möglichkeiten in welcher Reihenfolge man sie ins Regal stellen kann. Haben wir 15 Bücher, so existieren mehr als 1,3 Billionen (1 mit 12 Nullen) Varianten. Nun mag man sich überlegen, wie viele Anordnungsmöglichkeiten bestehen, wenn wir statt der 15 Bücher eine Trillionen Bücher (Wassermolekule) zur Verfügung hätten.

Mit anderen Worten, es ist theoretisch durchaus möglich, dass zwei vollkommen gleiche Schneeflocken existiert haben, jedoch wäre es extrem unwahrscheinlich. Und das obwohl jährlich eine Quadrillionen (1 mit 24 Nullen) Schneeflocken fallen.
 

Was haben Schneeflocken mit Genen zu tun?

Die Formenvielfalt der Schneeflocken berührt die Frage, die 1976 der Darwinist Richard Dawkins aufgeworfen hatte: Sind wir statt vermeintlich "beseelten Körpern" in Wirklichkeit nur die Überlebensmaschinen unserer egoistischen Gene?

Jede menschgliche Zelle enthält etwa 30.000 Gene. Damit besitzen wir deutlich mehr Gene als ein Regenwurm (18.000), aber auch deutlich weniger als ein Lungenfisch (40.000). Unsere Überlegenheit anderen Tieren gegenüber kann wohl kaum allein an der Zahl der Reichhaltigkeit unserer Genausstattung liegen, zumal diese zu 98% der der Schimpansen gleicht. Wir wissen mittlerweile, dass

Wie kommt es dann, dass die Vielfalt menschlicher Formen und Charaktere so groß ist wie bei Schneeflocken, und die Suche nach (echten) Doppelgängern vergeblich bleiben muss?

Ohne Wassermolekül gäbe es keine Schneeflocken, und ohne Gene keinen Menschen. Wie aber die vorgebene Information im Wachstum ausformt, hängt vom Kontext ab, in dem die Entwicklung stattfindet.

Es nützte also wenig ein "Musiker-Gen" zu besitzen, wenn es keinen familiären und sozialen Raum gäbe, die Chance, die in dem Merkmal liegt, erblühen kann. Umgehrt: wenn die Förderung optimiert wird, kann aus der durchschnittlichsten Genausstattung heraus ein "Superstar" erwachsen.

Der Zusammenhang und der Kontext, in dem sich etwas entwickelt und dabei beeinflusst wird, bestimmen die Art des Wachstums.

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MG, HEF, 03.08.2012



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