Fachinformationen - Nodding disease: unklare Erkrankung in Afrika


Nodding Disease: Unklares Krankheitsbild in Ostafrika

Bildquelle Irina Klein

Im nördlichen Pader Distrikt von Uganda verstarben von August bis Januar 2012  über 1.800 Kindern im Alter von drei bis 18 Jahre, weitere 1.000 Kinder sind erkrankt. 

Den Patienten gemeinsame Krankheitssymptome sind: Kopfnicken, epileptische Anfälle, mentaler Rückstand (Retardierung), Wachstumsverzögerung, Steifheit der Muskulatur, Blindheit und zahlreiche Störungen des autonomen Nervensystems (vegetative Dysfunktionen). Oft sind die Kinder unterernährt, u.a. auch weil die Nahrungsaufnahme erschwert ist. Viele der Kinder leben unter sehr einfachen Bedingungen mit unzureichender Hygiene. Eine ursächliche Behandlung fehlt und Antiepileptika sind nur von begrenzter Wirkung.

Das Krankheitsbild wurde erstmals 1962  beschrieben (Aall 1962) und seither mehrfach in Studien in Ostafrika untersucht (Winkler 2010). Die Ursachen sind nach wie vor unklar. Ein vermuteter Zusammenhang mit Flussblindheit (Onchozerkose, Kipp 1992, 1994) konnte nicht bestätigt werden (Druet-Cabanac 2004, König 2010). Eine Untersuchung von sieben Patienten, die MRI-Scans einbezog, fand vier Normalbefunde, eine Veränderungen des Frontalhirns und zwei am Mittelhirn (Hippocampus) (Winkler 2008). Eine andere Studie zu Ursachen für Epilepsie in Tansania fand Hinweise auf Bandwurmzysten im Hirn (Neurozystizerkose) (Winkler 2009). Aber weder Neurozystizerkose noch Ochozerkose können die aktuellen Krankheitsbilder erklären, da sie sich über lange Zeiträume schleichend entwickeln. Bei den jetzt gemeldeten Ereignissen handelt sich jedoch um eine epidemieartige Verbreitung.

Eine Infektion scheint als Ursache unwahrscheinlich zu sein. Naherliegend wären Nahrungsmittel- oder Umweltgifte, die zu Enzephalitis oder Krämpfen führen könnten. (Obeso 1986)

Bildquelle Irina Klein

In Indien wurde beschrieben, dass Hirnerkrankungen durch Aufnahme von toxischen Pflanzensamen ausgelöst werden können (Günther 2009). Chronische Vergiftungen mit Zyaniden durch Maniok (Kassava) sind in Afrika relativ häufig.

Nahrungsmittel, die in feucht-heißem Klima gelagert werden, können leicht Schimmelpilze ansetzen, deren Gifte (Mykotoxine) das Zentralnervensystem schädigen. Mykotoxinvergiftungen oder Störungen ähneln denen von Nodding disease. Die "Inkubationszeit" zwischen Nahrungsaufnahme und Krankheiterscheinungen kann je nach Konzentration des Giftes und der Dauer der Nahrungsaufnahme sehr lang sein. Zur Zeit wird u.a. der Hypothese nachgegangen, dass Nahrungshilfslieferungen in den von Bürgerkrieg betroffenen Norden Ugandas schlecht gelagert oder aber von der Bevölkerung in Unkenntnis mangelhaft zubereitet wurden (Promed, 23.01.)

Denkbar wäre auch, ein multifaktorielles Geschehen unter Beteiligung von Schimmelpilzgiften, Pestiziden und anderen Umweltgiften (Beispiel Nigeria), Schwermetallen (Blei z.B. in Zamfara , Bismuth (Bi): Teepker 2002) oder verunreinigtem Kochöl (Anilin) (Fournier 1982) u.v.a.

Für das Zusammenwirken mehrerer Ursachen könnten auch die Beobachtungen sprechen, dass Kinder mit Epilepsie in Tansania und Kenia erstaunlich viele zusätzliche Gesundheits- (Burton (a) 2011) und Verhaltensstörungen (Symon 2011, Burton (b) 2011) aufwiesen.

Ein Fall-Kontrollstudie zu Klärung der Ursachen ist weiterhin dringend erforderlich.

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Nachrichtenquelle

Literatur

HEF, MG, S, 22.08.2012



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