Fachinformationen - Tauchen


Gerätetauchen

Tauchen ist an sich eine sichere Sportart. Bestimmte körperliche und seelische Voraussetzungen müssen aber erfüllt sein. Tauchanfänger sollten sich zunächst einer medizinischen Untersuchung zur gesundheitlichen Eignung durch einen qualifizierten Arzt unterziehen, so wie es jedem Taucher in regelmäßigem Abstand empfohlen ist. Diese so genannte Tauchtauglichkeitsuntersuchung kann jeder Arzt durchführen. Sinnvollerweise sollte sie aber nur von Ärzten durchgeführt werden, die wissen, worauf es beim Tauchen ankommt. Ein Verzeichnis von Taucherärzten ist über die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e.V. erhältlich. Es kann sich hierbei um qualifizierte Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen handeln. Tauchen sollte nur unter gewissenhafter Betreuung und Anleitung erlernt und durchgeführt werden.

Physiologische Veränderungen beim Tauchen

Bildquelle: Jochen Affeldt

Vorsorgeuntersuchungen vor dem Tauchen

Sporttaucher müssen in vollem Umfang schwimmfähig und kommunikationsfährig sein. Auch sollten sie über ausreichend mentale Reife verfügen. Folgende Grunderkrankungen schließen das Tauchen aus:

Eine ärztliche Vorsorgeuntersuchung beinhaltet:

Außerdem sollte ein EKG (bei über 40-jährigen ein Belastungs-EKG) und eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt werden, bei Vorerkrankungen der Lunge ein Röntgenbild. Sind diese Untersuchungen unauffällig, kann die Tauchtauglichkeit erteilt werden. Bei auffälligen Befunden müssen sich weiterführende Untersuchungen anschließen und die letztendliche Beurteilung der Tauglichkeit sollte einem Taucherarzt überlassen werden. Das gleiche gilt bei chronischen Erkrankungen (Diabetes, Asthma, Herzerkrankungen, etc.). Ausdrücklich geeignet (nach Tauchtauglichkeitsuntersuchung) ist der Sport für Menschen mit körperlichen Behinderungen.

Planung und Vorbereitung des Tauchurlaubs
Ein Tauchurlaub sollte schon einige Wochen vor Reiseantritt gut vorbereitet werden. Noch im Heimatland sollte man seine körperliche Fitness und Eignung untersuchen lassen. Gibt es keine medizinischen Einwände, so empfiehlt sich für Neulinge die Suche nach einer möglichst deutschsprachigen Tauchschule mit gutem Ruf (PADI: Auskunft über Qualität der Lehrer und des Materials, Seriosität und Sicherheit). Erkundigen Sie sich, ob Ihre Reisekrankenversicherung auch eine Tauchunfallbehandlung abdeckt. Versicherungen gibt es bei einer Mitgliedschaft bei Divers Alert Network (DAN) inklusive. Diese tauchmedizinische Organisation organisiert im Bedarfsfall auch weltweit die Rettungskette. Taucher sollten in der Lage sein, auf Alkohol und Nikotin vor dem Sport zu verzichten. Nicht Draufgängertum und pure Abenteuerlust zeichnen einen Taucher aus, sondern vernünftiges, umsichtiges Handeln. Hinzu kommen Kenntnis der technischen und biomedizinischen Aspekte des Tauchens sowie Respekt vor der Natur.
Vor dem ersten Tauchgang sollten Sie sich akklimatisieren! Jetlag und Müdigkeit nach den Reisestrapazen sollten sicher abgeklungen sein. Zu Beginn sollte man sich unter Begleitung mit Tauchtiefen bis maximal 20 m begnügen. Gute Tauchschulen begleiten übrigens auch fortgeschrittene Gruppen durch einen erfahrenen Tauchlehrer, und auch Profis tauchen nicht allein.

Tauchen offenbart Ihnen eine neue Welt. Man muss nicht in die wunderbare Meeresflora und -fauna konkret „eingreifen“, um sie in all ihren Dimensionen und Facetten zu erfahren. Viele vormals traumhafte Tauchreviere sind durch den Menschen bereits schwer geschädigt und in ihrem Fortbestand stark gefährdet. Durch die Selbstbeschränkung auf den Genuss der Betrachtung und Verzicht auf Berührung vermeiden Sie auch Verletzungen durch scharfkantige Korallen oder gar Vergiftungen durch hochtoxische Meeresbewohner. So kann z.B. der Kontakt mit einem Steinfisch zu schwersten Vergiftungserscheinungen führen. Für bestimmte Fischarten existieren so genannte Antivenine (Gegengifte), die jedoch nur von einem erfahrenen Arzt verabreicht werden dürfen und oft nicht in gesicherter Qualität zur Verfügung stehen. Der beste Schutz vor solchen Unfällen besteht daher darin, sich nur am Anblick der Meeresfauna und -flora zu erfreuen. Kommt es dennoch zu einem Fisch- oder Schlangenbiss, sollte in jedem Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden. Achten Sie auf genügend Erholungspausen. Machen Sie nicht mehr als zwei Tauchgänge hintereinander innerhalb von 24 Stunden. Legen Sie zwischendurch einen tauchfreien Tag ein. Vor oder auch nach einem Saunagang sollten Sie nicht tauchen. Ebenso sollten Sie frühestens 24 Stunden nach einem Tauchgang ein Flugzeug besteigen, um einen Dekompressionsunfall (s. u.) zu verhindern.

Bildquelle: Melanie Kiel


Tauchunfälle - Komplikationen

Häufige Unfallursachen sind

Durch Druckunterschiede zwischen der Umgebungsatmosphäre und lufthaltigen Körperhöhlen wie Nasennebenhöhlen, Mittelohr oder auch Lungen kann es bei fehlendem Druckausgleich zu Schädigungen kommen, so genannte Barotraumen. So verspürt ein Wassersportler, dessen Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Nasen-Rachen-Raum (so genannte Eustachische Röhre), z.B. durch eine entzündungsbedingte Schleimhautschwellung, nicht durchgängig ist, beim Abtauchen Schmerzen im Ohr.

Das führt meist zum Abbruch des Tauchgangs. Vorsicht ist hier beim Einsatz von abschwellenden Nasentropfen geboten. Verlieren diese während des Tauchens ihre Wirkung, so kann sich die im Mittelohr nun plötzlich eingeschlossene Luft beim Auftauchen unter großen Schmerzen ausdehnen und im Extremfall zu einem Trommelfellriss führen.
Auch schlechte Zahnfüllungen mit Lufteinschlüssen können Schmerzen beim Fliegen und Tauchen verursachen. Im Zweifel sollte man seine Zähne vor der Reise sanieren lassen. Die schwerwiegendste Form eines Barotraumas ist eine arterielle Gasembolie (Verschleppung von Gasbläschen in Blutgefäße) nach einer Überdehnung der Lunge. Hierbei können Gasbläschen in den großen (arteriellen) Blutkreislauf gelangen und schwere Gehirnschädigungen mit Lähmungserscheinungen auslösen. Das Barotrauma der Lunge ist jedoch sehr selten und meistens die Folge eines panikartigen Auftauchens ohne kontrolliertes Ausatmen.

Der Tiefenrausch ist gekennzeichnet durch die zunächst euphorisierende und dann einschläfernde (narkotisierende) Wirkung von Stickstoff im Überdruck und kann einen Taucher je nach Veranlagung und Tagesform (Alkohol? Schlafdefizit? Mangelnde Fitness?) ab einer Tauchtiefe von 25-30 m befallen. Der Tiefenrausch beginnt häufig mit einem metallischen Geschmacksempfinden, optischen Fehlwahrnehmungen bis hin zum kompletten Verlust des Koordinations- und Urteilsvermögens. Mit dem sofortigen Aufstieg in geringere Tiefen verschwindet der Tiefenrausch normalerweise schnell.

Bei Tauchern besonders gefürchtet ist die Dekompressionskrankheit. Sie entsteht durch die Freisetzung von Stickstoffbläschen im Blut bei nachlassendem Umgebungsdruck. Dabei ist die Menge des gelösten Stickstoffs von der Tauchtiefe und der Dauer des Tauchgangs abhängig. Die Entstehung dieser Bläschen lässt sich nicht völlig vermeiden. Daher ist Sporttauchen nie gänzlich ohne Risiko.

Durch Stickstoffbläschen verursachte Symptome können sein: Juckreiz („Taucherflöhe“), Kribbeln in den Gliedmaßen, Unwohlsein und Erschöpfung. Bei Befall des Rückenmarks und/oder des Gehirns kann es zu Lähmungen, Krämpfen und auch Bewusstlosigkeit kommen. Im Extremfall besteht akute Lebensgefahr. Erkrankte müssen umgehend in einer Dekompressionskammer unter Sauerstoffatmung im Überdruck behandelt werden. Auf dem Weg zur Dekompression ist (wenn möglich) eine 100 Prozent-Sauerstoffatmung wichtig. Zur Vorbeugung sollten Dauer und Tiefe eines Tauchganges vorher mit Hilfe so genannter Nullzeittabellen genau festgelegt werden. Außerdem werden Sicherheitsstopps zum Abatmen des überschüssigen Stickstoffs in bestimmten Tiefen beim Aufstieg festgelegt. Die meisten Taucher benutzen heute einen Tauchcomputer, der die Tauchgangsplanung übernimmt. Computer, die längere sichere Tauchzeiten (so genannte Nullzeiten) „erlauben“, verkaufen sich besser. Längere Tauchzeit bedeutet aber höheres Risiko. Gehen Sie also nicht an die absolute Nullzeitgrenze Ihres Computers.
Durch einen zusätzlichen Zwischenstopp auf halber Tauchtiefe lässt sich das Risiko für die Dekompressionskrankheit auf etwa ein Viertel verringern. Unerfahrene Taucher sollten nur in Begleitung von erfahrenen Partnern, am besten Tauchlehrern, die Faszination der Meereswelt genießen.

Die Unterwasserwelt lässt sich bereits beim Schnorcheln erleben. Dabei können Schnorchler bei gutem Druckausgleich mehr als zehn Meter tief „tauchen“. Der materielle, finanzielle und körperliche Aufwand ist gering. Gesundheitliche Risiken bei normalem Schnorcheln bestehen allenfalls in Erkältungen bei zu langem Aufenthalt im Wasser und einem schweren Sonnenbrand auf einem ungeschützten Rücken und an den Waden. Nur beim Schnorcheln bis in große Tiefe kann es zu einer Bewusstlosigkeit beim Auftauchen kommen.

Bildquelle: Werner Schönherr

Angst- und Panikreaktionen

In Angst erhöht sich der Sauerstoffverbrauch und die Zahl der Möglichkeiten um ein Problem zu lösen verengt sich auf Kampf oder Fluchtreaktionen, oder wenn beides nicht hilft auf Erstarrung. Insbesondere das letzter bei dem bremsende und beschleunigende Notfallprogramme gleichzeitig voll aktiviert werden senkt in schwierigen Situtation die Überlebenschancen deutlich ab. Wer schnell auftauchen muss, atmet dabei möglichst aus, wird auchgrund von Panik die Luft angehalten oder kann wegen eines Stimmritzen-krampfes nicht entweichen, dann steiegen die Risiken für einen (nicht selten tödlichen) Lungenriss.

Angst- und Panikreaktionen kann durch spezielle Trainingsformen vorgebeugt werden. Ein Durchsprechen möglicher Reaktionsweisen in ruhiger Atmosphäre vor Eintreten beunruhigender Ereignisse ist ebenso hilfreich, wie das Trainieren automatischer Abläufe für den Notfall, von Atmungs- und Bewegungstechniken. Wichtig ist, dass die Information und das Training Sicherheit vermittelt. Information ist kontraproduktiv, wenn sie zu differenzierend weiter verunsichert oder noch schlimmer verwirrt.

Atmungs- und Bewegungstechniken, die direkt auf das Atemzentrum wirken können sowohl der Reisekrankheit als auch Angstreaktionen vorbeugen.

Das wichtigste bei der Betreuung von Patienten mit Angst- oder Panikreaktionen ist die Vermittlung von Sicherheit. Dazu dient Körperkontakt (Hand des Tauchlehrers fühlen) oder in einem schwankenden Boot die beruhigende Stimme des erfahrenen Kapitäns. Der Inhalt dessen, was dieser Kapitän sagen mag ist ohne Belang, wie er es sagt ist wichtig.  wäre, ebenso nonverbale Kommunikation wie Berührung.

Tauchen mit Kindern
Eine starre Altersgrenze, ab wann ein Kind tauchen darf, kann es nicht geben. Noch mehr als bei Erwachsenen spielen individuelle Unterschiede bei der Tauchtauglichkeit eine Rolle. Einige altersbedingte Besonderheiten sollten unbedingt beachtet werden:

Kinder leiden häufiger an Infekten im Nasen-Rachenraum. Dadurch kann der Druckausgleich behindert sein und Barotraumen des Mittelohrs wahrscheinlicher werden. Das Lungenvolumen des Kindes ist geringer, die Atemfrequenz höher. Es muss mehr Atemarbeit für eine gute Belüftung geleistet werden. Durch den geringeren Durchmesser der Atemwege ist bei vermehrter Sekretbildung die Gefahr des „Airtrappings“ erhöht. Zusätzlich ist die Kinderlunge durch Überblähung gefährdet. Tauchtiefen jenseits von zehn bis zwölf Metern sind tabu. Das Auftauchen sollte besonders langsam erfolgen. Kinder haben häufiger als Erwachsene ein Loch in der Herzscheidewand, über das Gasbläschen in den arteriellen Kreislauf gelangen können. Diese Gasbläschen können im Gehirn oder bei Kindern an den Wachstumszonen der Knochen Schäden anrichten. Kinder können auf Grund des ungünstigen Verhältnisses von Körperoberfläche zu Körpervolumen durch übermäßige Wärmeabgabe gefährdet werden. Daher kein Tauchgang länger als 30 Minuten. Kinder sind keine Tauchpartner für Erwachsene. Neben der kindgerechten Ausrüstung sollten Tauchtiefe und -dauer streng begrenzt werden. Ein Ausbilder oder Erwachsener sollte nie mit mehr als einem Kind ins Freiwasser gehen. Geeignet sind erlebnisorientierte, kurze Tauchgänge im Flachwasser. Keinesfalls für Kinder geeignet sind Strömungstauchen, Höhlen-, Nacht- und Wracktauchgänge. Ein Kind sollte nie zu einem Tauchgang überredet bzw. gedrängt werden.

Überhitzung und Unterkühlung

Wichtigste Empfehlungen für Sporttaucher

Personen, die eine durchschnittliche körperliche Leistungsfähigkeit besitzen, können in der Regel auch schnorcheln und mit Geräten tauchen. Voraussetzung ist jedoch die vorhergehende Untersuchung durch einen erfahrenen Taucharzt sowie die Beachtung der Sicherheitsregeln.

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H. Jäger, , 10.09.2012



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